Was ist guter Honig?

Bio-Honig, Fair-trade-Honig, Honig in D.I.B.-Qualität, Demeter-Honig...große Auswahl, schwere Entscheidung, welcher Honig ist wirklich “gut” ?

 

Zunächst entscheidet natürlich der Geschmack – gut ist, was einem schmeckt.

 

Aber Honig ist ein Naturprodukt und das beinhaltet Abwechslung. Wie bei einem Wein unterscheidet sich der Honig von Jahr zu Jahr, von Ernte zu Ernte. Je nach Trachtverlauf (der im Wesentlichen vom Klima beeinflusst wird), Standort, Schleuderzeitpunkt und Völkerführung fällt der Honig anders aus. Die Honigpflege nach dem Schleudern hat nur noch wenig Einfluß; sie bestimmt allenfalls die Streichfähigkeit des Honigs und kann durch z.B. Fremdeinflüsse den Geruch oder Geschmack verfälschen – aber nicht verbessern.

Discounter-Honige: Abwechslung unerwünscht!

Damit eignet sich Honig eigentlich nicht für den „Massenabsatz“ beim Discounter – dort ist Abwechslung nämlich unerwünscht. Wie beim Fast Food-Anbieter, der Dosen-Suppe oder dem Wein im Tetra-Pack wünschen Hersteller wie Kunde Konstanz in Geschmack und Konsistenz. Um das zu erreichen, kaufen die Honig-Abfüller vornehmlich tropische Honige, die durch Mischung und entsprechende Behandlung (z.B. Ultrafilatration) die gewünschte Gleichförmigkeit erhalten. Durch die Filtration werden Pollenkörner und andere Kristallisationskeime entfernt, so daß der Honig nicht oder sehr spät kristallisiert. Dass damit ein wichtiger Geschmacksträger und Inhaltsstoff entfernt wird, wird hingenommen und ist sogar laut EU-Recht zulässig.

Honig-"Spezialitäten" in Dubai - Bild:Melanie von Orlow
teure Honig-"Spezialitäten" in Dubai - Bild: Melanie von Orlow

Wer also mit Dosen-Suppen und Tetra-Pack-Wein glücklich ist, liegt mit Discounter-Honig nicht falsch. Langweilig und minderwertig mag man den Discounter-Honig nennen aber schlecht ist er nicht. Dafür preiswert denn die Imker aus den exportstarken Nationen können weitaus mehr ernten und dürfen im Gegensatz zur heimischen Imkerei verbotene Medikamente einsetzen (z.B. Antibiotika). Viele Imker dort müssen sich auch nicht mit der Varroa-Milbe herumschlagen da die dort heimischen Bienenarten selber mit diesem Parasiten fertig werden. Da lohnt der Import selbst unter steigenden Ölpreisen.

Alles Bio oder was?

Bei den Bio-Honigen wird es schon schwierig – denn viele Bio-Honige stammen nicht aus Deutschland. Hier finden sich kaum noch großflächige Trachtgebiete die Pestizidfrei sind - allenfalls Naturschutz- und Biosphärenreservate erfüllen solche Bedingungen wie sie für teure BIO-Siegel notwendig sind. Damit muß der Bio-Honig in der Regel von weit her kommen. Ob man der dortigen Kontrolle der kleinen, teuren „Bio“-Zusatzes trauen kann, bleibt dem Käufer selbst überlassen.

Diese Bio-Zertifikate sind übrigens für den Großteil der Imker, die als Hobby-Imker weit unter 50 Völker betreuen, finanziell unerschwinglich - das bedeutet aber nicht automatisch, daß die Qualität eines "konventionellen" Imker schlechter ist als die eines Bio-Imkers.

Je nach Güteklasse des Bio-Siegels - vom preiswerteren grünen Sechseck bis hin zu strengeren Anbauverbänden wie Demeter kostet die jährliche Zertifizierung mehrere Hundert Euro...das kann man mit diesem Hobby einfach nicht bezahlen.

Zudem ist die Bio-Imkerei nicht jedem möglich. Wer darauf achtet, daß er nicht so schwer heben muß oder einfach nicht schwer heben kann, wird leichte Hartpor-Bienenkästen wählen (z.B. die bekannte "Segeberger Beute") was jedoch eine Bio-Zertifizierung automatisch ausschließt wenngleich nachweislich weder Bienen noch Honig darunter leiden.

Zudem kauft man eines ganz bestimmt mit jedem Glas Bio-Importhonig: CO2-Emission und das nicht zu knapp. Ist das nun noch „Bio“?

Gene, GVO & Co.

In den letzten Jahren steigt der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) vor allem in den Ländern, aus denen der meiste Honig importiert wird (Südamerika, Kanada, China). Für den Landwirt sind die Gründe klar - diese Pflanzen sind mittels eingeschleuster Gene resistent gegen Breitbandherbizide so daß immer stärkere Mittel zum Einsatz kommen können, die jede Konkurrenz schachmatt setzt. Manche Pflanzen können durch diesen Laborkunststrick auch Gifte produzieren, die auf Fraßfeinde wirken und überstehen so deren Attacken. Kritiker wenden ein, daß manche dieser Gifte wie das Toxin von Bacillus thuringiensis sehr langlebig sind und mit dem Blattfall und den Ernteresten in den Boden übergehen wo sie über lange Zeit auf Bodenorganismen wirken. Zum anderen bilden sich nach und nach auch resistente Schädlingslinien aus so daß das Problem nur aufgeschoben wird. Neben diesen Sorgen um die Umwelt gibt es aber auch die Bedenken, daß die veränderten Gene auch unerwünschte Nebenwirkungen haben - veränderte Stoffwechselprodukte, die dem Endverbraucher - dem Menschen - Schaden zufügen können.

Wer diese Bedenken teilt sollte sich also "GVO-frei" ernähren. Nicht immer ganz einfach wenn man nicht weiß ob ein Produkt nun GVO-frei ist. Beim Honig wird es besonders schwierig, denn Bienen besuchen ein breites Spektrum an Pflanzen; darunter eben auch GVO-Pflanzen.

Eine Untersuchung des WDR aus dem Juli 2011 ergab, daß die deutschen Mischblütenhonige (selbstvermarktet, mit oder ohne DIB-Glas) GVO-frei waren. Dahingegen waren die teilweisen sogar teureren Sortenhonige aus dem Ausland durchaus mit GVO-Pollen belastet, darunter sogar Bio-Produkte:

Rapsblüte Langnese, 100g/2,40€
gentechnisch veränderte Pollen nachweisbar

Imker Auslese, Bihophar, 100g/0,80€
gentechnisch veränderte Pollen nachweisbar

(Quelle: WDR2 Quintessenz - Honig: Nicht nur Natur. http://www.wdr2.de/service/quintessenz/honigbiene100.html)

Fazit: GVO-freien Honig bekommt man am besten als Mischblütenhonig beim Standimker um die Ecke und nicht von Langnese.

Übrigens: Ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshof stellt klar, daß eine Nulltoleranzgrenze gilt - sobald GVO-Pollen im Honig nachzuweisen ist, unterliegt dieser einer Zulassungspflicht sofern der GVO-Pollen selbst nicht zum Verzehr zugelassen ist. Derzeit wird das Urteil und seine Auswirkungen hierzulande geprüft; man darf gespannt sein wie das Urteil umgesetzt wird.

Faires Handeln mit Nebenwirkungen

„FairTrade“ liest sich dann schon besser: Da soll der Imker in den Tropen wirklich einen seiner Arbeit entsprechenden Anteil erhalten; einen „fairen“ Preis.

Doch auch hier kauft man etwas mit oder besser: Man verkauft es – nämlich die Bestäubungsleistung der Honigbienen.

Honigbienen gelten nach Rind und Schwein als das drittwichtigste Nutztier Europas – und zwar nicht wegen des Honigertrages, sondern wegen der enormen Bestäubungsleistung an Nutzpflanzen. Diese Bestäubungsleistung wird in anderen Ländern wie in den USA regelrecht verkauft – dort fahren die Imker dem Frühling hinterher und liefern zur rechten Zeit die Bienen zur Bestäubung. Hierzulande denken viele Landwirte noch, daß die Natur das schon ganz alleine machen würde – aber dem ist nicht so. Ohne imkerliche Pflege kann die Honigbiene in Deutschland nicht mehr dauerhaft überleben. Und Imker können sich ihr Hobby oder ihr Gewerbe nur dann leisten, wenn die Bienenprodukte auch gekauft werden.Wer zuviel draufzahlt gibt das teure Hobby bald auf - vom Erwerbszweig mal ganz zu schweigen.

Sicherlich stellen Discounter-Honige mit Preisen von unter 3 €/500g die Hauptkonkurrenz für den heimischen Honig dar und nicht gerade das Nischenprodukt "FairTrade-Honig". Man sollte sich nur bewusst machen, daß jedes Glas Honig aus dem Ausland seine ökologischen Fußspuren hinterläßt- ob Bio, FairTrade oder irgendwelche originellen Sortenhonige.

Guter Honig = regionaler Honig!

Daher ist ein wirklich guter Honig in erster Linie ein Honig aus der Region – der belastet die Umwelt nicht durch transportbedingte CO2-Emission und stellt quasi die konzentrierte, regionale Bestäubungsleistung dar. „FairTrade“ macht dann Sinn, wenn das Produkt nicht heimisch erzeugbar ist (z.B. exotische Früchte).

Honig in D.I.B.-Qualität wirbt damit, stärkere Kontrollen und niedrigere Grenzwerte zu garantieren (z.B. beim Wassergehalt, beim HMF-Wert usw.). Allerdings kosten die speziellen Etiketten und Gläser des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) auch entsprechend mehr und so verzichten viele Imker und füllen in die preiswerteren Neutralgläser ab - selbst wenn er die strengeren Kriterien des D.I.B. erfüllt.

Denn viele Imker wollen den Honigpreis nicht durch Verpackungspreise in die Höhe treiben. Honig unterliegt wie alle Lebensmittel der allgemeinen Lebensmittelüberwachung und muß den Regelungen der Honigverordnung entsprechen. Dazu kommen Auflagen an die Abfülleinrichtungen (z.B. geeichte Waage) und die Warenbezeichnung - dies in Kombination mit der unvermeidlichen Behandlung der Bienen gegen die Varroa-Milbe und der hohe Arbeitsaufwand macht den regionalen Honig daher oft teurer als den importierten Honig...zumindest solange der globale Handel derart preiswert abzuwickeln ist weil die Umweltkosten der zukünftigen Generation aufs Auge gedrückt werden!

Stadt-Honig: Eine gesunde Sache!

Viele fürchten sich vor Pestiziden und Schadstoffen im Honig - insbesondere Honig aus der Großstadt scheint vielen ein Widerspruch in sich zu sein. Für viele gehört der Imker auf das "gesunde Land".
Tatsächlich konnte selbst in Honigen die aus bewußt an belasteten Stellen wie Flughäfen aufgestellten Bienenvölkern geerntet wurden, keine erhöhten Schadstoffmengen gefunden werden. Das liegt zum einen daran, daß viele Schadstoffe eher lipophil sind, d.h. fettlöslich. Diese Substanzen wandern also eher in die Wachswabe ein anstatt sich im Honig zu lösen. Zudem fungieren die Bienen selbst als "Filter". Jede Sammlerbiene nimmt die beim Blütenbesuch eventuell mit gesammelten Schadstoffe auf und lagert sie im eigenen Körper; z.B. in dem Fettgewebe. Stirbt die eher kurzlebige Sammlerin, so "entsorgt" sie die gesammelten Schadstoffe außerhalb des Volkes.

Ein weiterer Pluspunkt für die Stadt-Imkerei ist der Mangel an großflächigem Pestizideinsatz. Es fehlt die pestizidintensive, großflächige Landwirtschaft. Da es im urbanen Bereich zudem Rund ums Jahr in Gärten, Balkonen und Parkanlagen blüht wird die gefürchtete Trachtlücke verkürzt - Stadtimker ernten daher in der Regel mehr als stationäre Landimker.

Im Gegensatz zum Wanderimker können jedoch die Stadtimker keine Sortenhonige ernten - dafür eine erstaunliche Vielfalt an schmackhaften Mischhonigen, die von Bezirk zu Bezirk anders ausfallen! Diese Mischhonige (oft unter Bezeichnungen wie "Sommertracht" oder"Frühlingsblüte" vertrieben) sind auch in der Regel preiswerter als Sortenhonige, an die der Gesetzgeber höhere Anforderungen stellt und die damit auch teurer in der Produktion sind (häufigere Schleuderungen auch geringer Mengen, ggf. Pollenanalyse).

Also: Suchen Sie sich einen Imker aus Ihrer Region - über das Branchenbuch, im Internet oder auf dem Marktstand - und sprechen Sie ihn an. Gerne zeigt er Ihnen in der Regel auch seine Imkerei und Sie können zuschauen, wie Ihr Brötchenaufstrich gewonnen wird - und wenn nicht, dann kommen Sie zu uns! Wir legen Wert auf größtmöglichste Transparenz und so wissen Sie ganz genau was da alles drinsteckt, im Honig!

Guten Appetit!

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