Liebe Hymenopteren-Freunde,
hier möchte ich euch meinen neuesten Hummelkasten vorstellen.
Hummelkasten: Hummelkasten
Seine Außenmaße belaufen sich auf 400 (L) x 236 (B) x 216 (H) mm, der Innenraum beträgt gute 340x200x180mm. Gestrichen habe ich ihn mit umweltfreundlicher Farbe im Ton "Palisander" und die kleine Runde Form am Eingang mit "Waldgrün" (Blauer Engel auf Farbdose). Da ich gelesen habe, dass Hummeln Formen und Farben sehen und sich einprägen können, habe ich einfach mal diese Form ausgesägt und vor das Einflugloch genagelt. Dadurch beläuft sich der Laufgang ohne Laufröhre - also nur die Tiefe, die Rundform und Holz bilden - auf 30mm. Hinzu kam dann eine 80mm lange Laufröhre aus aufgerolltem Papier.
Der Innenkarton misst in der Länge 180, in der Breite knapp 190 und in der Höhe 140mm. Gefüllt habe ich ihn folgendermaßen mit Moos und Heu (ausgerupft, bzw. auch aus einem verlassenem Vogelnest entnommen):
Inneneinrichtung: Inneneinrichtung
Fein verzupftes Moos als Grundfläche, darüber das feine Nestmaterial eines Meisenpärchens (Nest war verlassen, keine Sorge) und an den Seiten das etwas steifere Heu. Mein Gedanke war, dass dieses hinterher als Halterung für die zweite Lage Moos dient, damit dies nicht komplett absackt und den Hummeln den Weg versperrt. Das war meine Umsetzung von "Eine kleine Höhle vor dem Laufgang anlegen."
Heu: Heu
Darüber kam zunächst ein weiteres "Heu-Gerüst", ich habe die einzelnen Stränge also wie eine Art Gitter darüber gelegt. Als letzte, für eine bessere Isolierung sorgende Schicht kam dann die erwähnte, zweite Moosschicht.
Moos: Moos
Da der Innenkarton praktisch in der Breite den kasten komplett füllt, habe ich in die Wände keine Luftlöcher gebohrt. Ich denke, bei einer Materialstärke von 18mm wird die Temperatur sich auch nicht so stark aufstauen, zumal auch der Nistraum eher für kleinere Hummelarten geeignet sein wird.
So, warum so viel Text? Naja, ich habe so peinlich genau geschrieben, weil mir Kritik natürlich wichtig ist. Ich habe einfach mal etwas experimentiert, und das an Wissen verwendet, was ich habe oder was ich mir entnommen habe. Wenn es also bei der Einrichtung des Kastens irgendwo Dinge gibt, die kontraproduktiv oder gar falsch sind, dann dürft ihr's mir gern frei raus sagen^^
Grüße
Marco
Mein neuer Hummelkasten
Marco,
da hast Du ja sorgfältig gearbeitet. Der Innenkarton hätte etwas schmaler sein können, da zu den Aussenwänden ca. 20 mm Abstand gehalten werden sollte. Luft isoliert. Der dunkle Aussenanstrich kann den Kasten bei Sonneneinstrahlung aufheizen, also besser im Halbschatten oder Schatten aufstellen. Die Luftlöcher könnten Mottenlarven Zutritt verschaffen. Solche Löcher sollten mit feinmaschigem Geflecht gesichert werden, ich selbst verwende Filtergewebe aus Edelstahl. Die Einflugröhre könnte mit einer Hummelklappe gesichert werden, aber der Aufwand lohnt erst, wenn nach einem erfolgreichen ersten Jahr eine Besiedlung sicher erscheint. Ich habe auch schon anstelle von dem üblichen Kleintierstreu und der Polsterwolle Naturmaterial probiert, habe aber den Eindruck, daß letzteres eher Feuchtigkeit aufnimmt und festhält.
Gruß Hans
Danke schön...
...für die schöne Doku. Zum anderen für den Beleg, daß der Bilderupload wieder funktioniert (offenbar klappt es nach dem upgrade nur mit neuen Bildern...).
Ich habe wie Hans auch das Empfinden, daß Naturmaterial insgesamt feuchter bleibt - aber natürlicher ist es bestimmt als die klassische Polsterwolle. Ich bin ja selber auch ein Anhänger des Deckkastens weil er die aktive Ansiedlung wirklich vereinfacht. Aber dadurch ist es natürlich schwieriger, da es Laufgang und zudem ein Entfernen des Kastens nach erfolgreicher Besiedlung erfordert. Also einfach mal ausprobieren.
Was ich auch praktisch finde, ist ein Anflugbrettchen. Es reicht ein kleiner Klotz oder gar ein Keil - nur etwas unter dem Flugloch damit die Königin besser landen kann. Zudem mache ich da auch gerne die Mehlprobe. Aber auch das ist wohl eigene Geschmackssache - Hummeln nisten an den unmöglichsten Stellen; zumindest Erdhummeln ist das egal und auch Wiesenhummeln haben da kein Problem.
Also einfach mal ausprobieren; wichtig finde ich aber Hans' Hinweis auf die Wachsmottenthematik - da sollte man wirklich gut vorbeugen; das kann einem schon sehr die Laune verderben.
Na dann mal viel Erfolg und nicht Entmutigen lassen wenn es nicht gleich klappt...die sind manchmal sehr wählerisch und keiner weiß warum!
Melanie
- Webmaster von www.hymenoptera.de -
Mein neuer Hummelkasten
Marco,
eines möchte ich noch hinzufügen: die Verwendung von Material aus verlassenen Meisenkästen ist problematisch. Der Mensch, der es handhabt, sollte mit Flohbefall und anderen Quälgeistern rechnen. Die Hummeln wären evtl. neue Wirtsleute für Milben.
Gruß Hans
Hallo, danke für die
Hallo,
danke für die Hinweise und Tipps!
Das mit dem Wachsmottenproblem versuche ich durch das Tarnen des Eingangs zu vermeiden, viel anders funktioniert glaube ich ein klassischer Vorbau auch nicht. Das sicherste wäre denke ich die Hummelklappe, aber die ist bei dem Kasten kaum einsetzbar. Deswegen mein kleines Experiment mit der einfachen Optik.
Wie sieht das mit den Wachsmotten aus, sind das natürliche Feinde der Hummeln oder sind die durch den Menschen erst verbreitet worden und als Parasit aufgetreten? Wenn es unnatürliche Parasiten sind, dann bin ich eher bereit, in das Geschehen einzugreifen. Ansonsten bin ich dafür, dass man da einfach der Natur traut.
Wegen der Sache mit den Milben aus dem Vogelnest: Heu und Moos - also auch das Vogelnestmaterial - habe ich im Backofen getrocknet, bei Temperaturen, die glaube ich keine noch so resistente Milbe aushalten kann, und das auch über längere Zeit.
Gruß
Marco
Mein neuer Hummelkasten
Marco,
>Wie sieht das mit den Wachsmotten aus, sind das natürliche Feinde der Hummeln...
ja, wohl schon sehr lange. Allerdings werden Wachsmottenlarven von Aquariums/Terrariums-Haltern als Futter gezüchtet und ich meine, daß davon so einige entkommen.
Abgesehen vom Eingang: Es besteht der Verdacht, daß Motten Eier an Lüftungslöchern und Kastenritzen ablegen und die geschlüpften Larven in's Nest kriechen.
Gruß Hans
Mein neuer Hummelkasten
Marco,
Finde deine Experimente gut. Hast dir für fast alle Hindernisse eine gute Lösung überlegt. Hoffe du hast Erfolg.
Ein paar Anmerkungen zu den Wachsmotten. Ich würde die nicht als Feinde der Hummeln bezeichnen. Wachsmotten kommen überall dort vor wo es Wachs gibt , Wachs ist ihre Nahrungsgrundlage.Die biologische Aufgabe der Wachsmotten ist das ansonsten chemisch stabile Wachs wieder in den Naturkreislauf zu bringen.Wachsmotten fressen auch das Bienenwachs sobald Waben ausserhalb der Bienenstöcke gelagert werden. Bei mir haben Wachsmotten innerhalb von 2 Wochen 10 Waben komplett zerfressen.
Gruß
Erhard
Hummelkasten
Hallo,
in den Kasten ist dieses Jahr nichts eingezogen, auch in meine beiden anderen nicht. Bei dem dunkelbraunen hier flog mal eine Ackerhummel interessiert dran herum, hat sich aber nicht dafür entschieden.
Die Erklärung mit der Wachsmotte klingt plausibel. Danke dafür.
Was jetzt noch aussteht, sind die Hornissenköniginnen. Ich habe 2 Kästen und auch 2 Königinnen schon gesehen, allerdings vor dem schlechten Wetter. Belegt ist noch keiner der beiden Kästen. Bin mal gespannt.