
Liebe Kollegen,
heute stand die Umsiedlung eines Hornissennestes aus einem Rollladenkasten an. Als ich dort vor Ort war verrieten mir die Betroffenen, daß am Wochenende - also vor 2 Tagen - der Rollladen endgültig kaputt gegangen war und zur Gänze ausgerauscht war. Er hatte schon zuvor schon schräg gehangen.
Ich schaut mir das von außen an und das gefiel mir gar nicht: Kein Tier zu sehen und tatsächlich war der Spalt zwischen Rollladenschlitz und Panzer so eng, daß dort keine Hornisse durchpasst.
Die Bewohner sagten mir, daß die Tiere tatsächlich bisher zwischen Scheibe und Panzer in den Kasten gekrabbelt worden wären - ein Weg, der ihnen nach dem Ausrauschen des Panzers nicht mehr offen stand.
Rasch öffnete ich den Kasten - kam aber zu spät. Alle Arbeiterinnen und die Königin lagen tot und regelrecht vertrocknet in dem Kasten. Der nach Süden ausgerichtete Kasten muß sich trotz des mäßigen Wetters gut erwärmt haben und da die Tiere keine Chance hatten, auszufliehen, sind sie alle zugrunde gegangen; vermutlich eher am Wassermangel denn an Nahrungsmangel.
Das war echt tragisch - es waren um die 20 Arbeiterinnen und bereits zwei Kokonringe auf der Wabe. Die Larven waren zum größten Teil abgestorben und schon schwarz verfärbt.
Habe die Wabe nunmehr im Heizungskeller und zunächst alle der inzwischen hart gewordenen Puppendeckel mit etwas Wasser befeuchtet. Inzwischen sind auch tatsächlich 2 Arbeiterinnen geschlüpft, die ich nun einer Königin zusetze, die gerade in Gründung ist und offenbar noch keine Arbeiterinnen hat. Sie ist ziemlich lädiert; der Flügel ist defekt und sie knattert regelrecht im Flug und fliegt sehr schwerfällig. Die braucht wirklich etwas Unterstützung und vielleicht können sich diese Waisen da bewähren.
Schade aber dennoch...
Melanie
Wirklich
schade, aber klasse das du noch 2 Arbeiterinnen gerettet hast. Berichte mal bitte von der Königin und den 2 neuen Arbeiterinnen, gibts da evtl. Probleme weil diese einen anderen Stockgeruch haben?
Marcel
Inzwischen sind es sogar 5 Arbeiterinnen!
Ich habe die Wabe im Heizungskeller aufgehangen und dort schlüpfen die Arbeiterinnen täglich nach - die Puppen haben das Ganze offenbar ganz gut überstanden und so lange sie warm genug bleiben, müßte das eigentlich klappen.
Allerdings: Die Puppendeckel sind sehr hart geworden - im vitalen Volk werden die Deckel beleckt und damit weich gehalten. Daher habe ich die Puppendeckel mit einer ganz dünnen Schicht Honig eingerieben - nur oben; zwischen den Puppendeckeln nicht damit der Gasaustausch bestehen bleibt. Der Honig ist hygroskopisch und hält die Deckel so feucht und macht sie weicher. Zudem ist er gleich eine gute, kalorienreiche Starthilfe wenn die jungen Arbeiterinnen den Weg nach außen suchen.
Klappt ganz gut; jeden Morgen und Abend konnte ich bisher 1 bis 2 Arbeiterinnen runtersammeln. Ich nehme sie dann auf ein Stäbchen mit Honig und trage sie so zu dem Nistkasten.
Ich setze sie direkt auf das Nest - das ist leider in einem Sturm abgestürzt und liegt auf dem Boden des Nistkastens. Dort hat die Königin eine neue Hülle drum gebaut und so sehe ich rein gar nichts. Ich setze die jungen Arbeiterinnen direkt auf diese Hülle; sie finden den Weg dann unter durch recht gut. Vielleicht mache ich mich mal dran, die wieder oben dran zu hängen...
Melanie
- Webmaster von www.hymenoptera.de -