
Hallo zusammen,
mein Wildbienenhaus auf dem Balkon im ersten Stock erlebt dieses Jahr seine vierte Saison. Im ersten Jahr habe ich vorbeugenderweise in sämtliche Briefkästen eine Infobroschüre zum Thema solitäre Wildbienen geworfen. Das letzte Jahr war sehr erfolgreich, in fünf großen Schilfmattenbündeln war kein einziges Loch mehr frei, mengenmäßig dominierte mit weitem Abstand die Mauerbiene. Beim Schlüpfen der Männchen in diesem Frühjahr wurde mir dann schon etwas mulmig ums Herz, das Gesumm war sogar bei geschlossenem Fenster hörbar.
Es kam wie es kommen mußte. Aufstand der Mieter, Fristsetzung, Hausmeister und Hausverwaltung wurden an die Front geschickt, um die tödlich Gefahr zu bannen und das Überleben der Mieter auch weiterhin zu sichern. Frustrierenderweise besteht keinerlei Interesse an sachlicher Information oder Aufklärung, es geht nur um Machtansprüche und darum den eigenen Willen durchzusetzen. Bei den Wohnungen handelt es sich ausschließlich um Eigentumswohnungen, die zum Teil von den Besitzern bewohnt werden. Eine Beunruhigung oder Ängste von Allergikern kann ich ja durchaus nachvollziehen, aber viele Vorurteile und Fehlinformation ließen sich durch ein Gespräch aus der Welt schaffen. Daran besteht aber kein Interesse.
Nachdem ich schon einmal eine sehr lange und unerfreuliche Disskussion mit der Hausverwaltung hatte, weil ich kühnerweise auf dem Namensschild meines Briefkastens ein 6x6 mm großes Foto von mir eingefügt habe, war mir das Ganze diesmal zu blöd.
Nach einem spätnächtlichen Umzug steht das Wildbienenhaus jetzt im Garten der örtlichen Vorsitzenden des Bund Naturschutzes Erding und die Bienen können die wenigen Wochen ihres Daseins ungestört genießen. Irgendwie ist es schon frustrierend, wie naturfremd viele Menschen inzwischen sind und welche Feindbilder hier aufgebaut werden. Da meine Balkonkästen ausschließlich mit einheimischen Wildstauden bepflanzt sind, bin ich neugierig, ob das der nächste Angriffspunkt wird. In diesem Fall würde ich allerdings nicht mehr mitspielen, irgendwo hat doch alles seine Grenzen.
Ein eigener Garten ist schon wirklich Gold wert und ich vermisse ihn schmerzlich.
LG Werner
Hallo Werner,
schade, dass du Deine Bienchen nicht behalten durftest- das beste gegen alle Argumente der Verwaltung und der Anwohner wäre natürlich das Gesetz gewesen. Da es ja keine Haustiere sondern Wildtiere sind und Sie dein Hotel nunmal schon nutzten hättest du meiner ansicht nach mit dem Artenschutzgesetz kommen können. Wie Crabro es im Forum Titel Umsiedeln schon erwähnte. Streng genommen hättest du das Hotel wohl nicht mehr bewegen dürfen ohne Ausnahmegenehmigung-klar sieht die Praxis manchmal anderst aus. Aber da hätten die sich nicht so leicht drüber weg setzen können.
Ein anständiger Fachberater der Unteren Naturschutzbehörde und du hättest ordentlich Rückendeckung gehabt. Vielleicht beim nächsten mal. Menschen ja Menschen. Die Rasse die in der natur am meisten Fragen aufwerfen würde. Wir dezimieren uns selbst wegen Neid, Hass usw. Wir sind die schlausten und schicken Menschen bald zum Mars-aber bringen es nicht fertig sich über das wenige was einen Nervt kurz nachzulesen und uns gedanken zu machen. Bravo Homo sapiens- ist das der korrekte Name? Wir sind auch nur eine Art - führen uns aber auf als hätten wir die komplette Vorherrschaft über alles. Der Film "Instinkt" trifft es da wohl auf dem Punkt.
beste Grüße vom www.Hornissenberater.de oder Wespenberater.de
erik
Kopf hoch und mach weiter so werner
Hallo Eric, danke für Deine
Hallo Eric,
danke für Deine Rückmeldung! Rein rechtlich hätte ich das Ganze vielleicht sogar durchziehen können, aber irgendwie hatte ich doch auch ein bißchen Mitleid mit den Allergikern, auch wenn ihre Furcht natürlich unbegründet war. Es waren wirklich beeindruckende Mengen an Mauerbienen! :-)
Zwei kleinere Nisthilfen aus Ton und eine mit Pappröhrchen habe ich behalten, sie sind von der Straße aus nicht sichtbar und die Bienenmengen sollte sich in erträglichem Rahmen halten. Ich werde mich aber schon mal vorbeugende beim Landratsamt erkundigen, wie die genaue Rechtslage ist, der zuständige Fachbearbeiter ist sehr engagiert und kompetent. Dann hätte ich für den nächsten GAU konkrete Argumentationshilfen, also danke für den Tipp.
Wir sind übrigens nicht "Homo sapiens" wir sind sogar "Homo sapiens sapiens". Diese doppelte Weisheit ist aber irgendwie noch nicht zu uns durchgedrungen.
LG Werner
Balkonfreuden
Hallo Werner,
ein wirklich schönes Bienenhotel. Heutzutage kann man überall diese Hotels auch große sehen. In Lehrgärten oder Lehrpfaden bilden sie immer einen schönen Anfang. Fast jeder Katalog bietet schon solche Nisthilfen an, sodass man meinen sollte die Menschen wüssten um die friedfertigkeit- wenn man sie in ruhe lässt.
Aber gut. Übrigens der Flotte Dreier ist ne Show! :-))
Toll.
Viel Spaß mit den verbliebenen Bienen.
Im übrigen hat auch meine Frau Anita, das erste Jahr Mauerbienen in einer Menge wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben, beobachtet. Die Flogen an unserer Garage ran und suchten zwischen den Eternitplatten und Mauer nach Möglickeiten. Schnell bastelte ich aus zwei kleinen Birkenstückchen kleine Hotels und bot sie an einem warmen tag an- sofort wurden sie bezogen.
Ist wohl sehr auffällig für mich auch im internetz wird sehr viel von Mauerbienen geschrieben- es ist wohl ein tolles Jahr dafür-denn letztes Jahr konnte ich das nicht so beobachten.
was sagen denn die anderen darüber ?
gruß an dich und die kollegen vom
hornissenberater.de erik
Rein rechtlich gesehen...
...ist es natürlich so, daß man die Verantwortung übernimmt wenn man ein Wildtier bewusst ansiedelt.Ergo würde ich auch nicht unbedingt ein Hornissenvolk auf dem Balkon ansiedeln. Was anderes ist es, wenn sich die Hornissen in einem Vogelnistkasten niederlassen...der war ja für Vögel gedacht und wenn die Hornis da jetzt bauen, dann ist das eben Natur und der Vogelkastenbesitzer ist aus der Verantwortung.
Allerdings wäre ich in diesem Fall gaaaaaanz cool gewesen. Denn Wildbienen SIND keine Gefahr. Keinem Mieter wäre es möglich gewesen, den erforerlichen Nachweis zu bringen, daß gerade DEINE Wildbienen da jemanden gestochen hätten. Selbst wenn jemand irgendwo gestochen worden wäre - es wäre eben nicht belegbar. Untersuchungen und Studien dazu kenne ich nicht; es ist eben so derart unwahrscheinlich daß dafür eben bisher keiner Forschungsgelder bekommen hätte. Es wäre also schlichtweg nicht zu halten gewesen; geschweige gerichtsfest nachweisbar. Also daher droht rein rechtlich wirklich keine Gefahr. Allergiker hin oder her - nur weil jemand auf Katzenhaare allergisch reagiert kann er ja nicht fordern, daß alle in der Umgebung Katzen abschaffen weil deren Hare durchs Fenster wirbeln könnten.
Seelisch eben leider schon weil der Druck ja weiter aufgebaut und gehalten wird und das will ja keiner; nur Streß und Ärger mit den Nachbarn. Daher ist aus dieser Warte sicherlich mit der Entfernung der friedlichere Weg gewählt worden; rein artenschutztechnisch ist das natürlich wieder mal symptomatisch und leider eben ein Rückzug.
Tut mir leid das zu hören und gerade von einer Autorenkoryphäe wie Dir...echt blöde, das!!!
Melanie
- Webmaster von www.hymenoptera.de -
Rechtsfragen
Liebe Melanie,
ich bin keine Autorenkonifere, sondern nur ein Hobbyschreibsler :-)
Einige kleinere Nisthilfen habe ich behalten, von denen ich mich jetzt auch nicht trennen möchte. Ich habe gestern mal beim Landratsamt in der Naturschutzbehörde in Sachen rechtliche Argumentationshilfen nachgefragt, die haben einen sehr engagierten Fachbetreuer. Mal schauen was da an Antworten kommt.
Du hast natürlich recht, es ist ein Rückzug, Feigheit vor dem Feind und wieder mal eine Schlappe für den Artenschutz und das frustriert mich. Das Problem ist , daß ich keine Rechtsschutzversicherung habe. Selbst wenn ich im Recht bin, komme ich ja notfalls nicht darum herum einen Anwalt einzuschalten und dann wird´s ganz schnell teuer. Es war auch wirklich eher ein Bienenschwarm als vereinzelte solitäre Bienen, mit solchen Mengen habe ich echt nicht gerechnet. Immerhin sind die Kleinen jetzt in guten Händen. Aber wie gesagt ich werde versuchen mich im naturschutzrechtlichen Hintergrund etwas schlauer zu machen, leider bin ich da völlig unbeleckt.
Liebe Grüße
Werner
P.S @Eric "Was sagen denn die anderen dazu?". Welche "anderen" meinst Du genau, Eric?
Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)
Hallo Werner,
was meinen denn die anderen dazu? Nach ich meine alle anderen die auch hier im Forum sind. Spezialisten, Fachberater, Hobbykundler usw.
Mir erscheinen die Meldungen der mauerbienenvorkommnisse - obgleich ich keine ahnung davon habe- eben sehr auffällig. Vielleicht gibt es da ja einen biologischen turnus von Populationen wie zum beispiel die blüte bei nadelbäumen oder das erscheinen von Maikäfern-welche so im schnitt alle drei jahre blühen oder mal massenhaft in erscheinung treten können. Bei Peter gings schon sehr früh zur sache mit den kleinen und sonst hört man eben viel mehr- oder liegt es eben daran, dass sich mein horizont eben erweitert und aug und ohr ein wenig mehr mitkriegen als nur schwarz-gelb-wespe.
Dein Verhalten war natürlich rein gesellschaftlich gesehen der beste weg. Da hast du schon genug weisheit und zwischenmenschlichkeit bewiesen. jetzt verzeih meine Nachfrage und meine unwissenheit über deine Identität- wer oder was bist du und was kann man von dir lesen-acuh wenn ich lieber bildchen kucke. :-)
beste grüße vom
hornissenberater.de
erik
Identitätenthüllung
Hallo Erik,
ich glaube eher nicht, daß die Mauerbienenpopulation von ihren Trachtpflanzen abhängt. Die Mauerbiene ist ein Ubiquist, sie nimmt so ziemlich alles was ihr vor den Rüssel kommt. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) sammelt laut Dr. Paul Westrich (www.wildbieneninfo.de) Pollen an 13 verschiedenen Pflanzenfamilien, sie kann daher Engpässe deutlich leichter umschiffen als ein Spezialist. Außerdem kommt sie auch im unmittelbaren Siedlungsbereich des Menschen gut klar und ist bezüglich ihrer Nistplätze extrem flexibel, sie entwickelt sich langsam zu einem echten Kulturfolger.
Ob die Bereitwilligkeit mit der sie auch künstliche Nisthilfen annimmt und dort relativ rasch große Populationen aufbaut zu ihrer Verbreitung beiträgt, kann ich nicht beurteilen. Ich denke aber mengenmäßig sollte dieses zusätzliche Nistraumangebot bisher noch nicht ins Gewicht fallen. Nachdem die Mauerbienen relativ große Arten sind und gerne mit Hummeln verwechselt werden, erregen sie natürlich immer besonderes Aufsehen im Frühjahr. Später im Jahr erscheinende Arten sind durch die Bank deutlich kleiner und unauffälliger.
Deine Unwissenheit über meine Identität ist absolut in Ordnung, Du teilst sie mit Milliarden von anderen Erdenbewohnern. :-) Bis ich die Auflagenhöhe der Harry Potter-Bände erreiche, dürften noch einige Jahrtausende vergehen. Ich habe im Dezember ein Buch im Pala-Verlag veröffentlicht und sitze gerade in der Endphase des Lektorats beim zweiten. Ich war mal Biologielehrer und das scheint einen lebenslänglich zu versauen, es macht mir immer noch großen Spaß biologisches Wissen einigermaßen leichtverdaulich weiterzugeben.
www.bauches-lust.de
Meine geliebte Hausverwaltung ....
Gerade ist mir wieder ein Schreiben von der Imobilienverwaltung ins Haus geflattert, das ganz gut den dahinter stehenden "Geist" widerspiegelt:
"Um ein einheitliches und sauberes Erscheinungsbild in der Wohnanlage zu erreichen, werden sämtliche Aufklebern an der Briefkastenanlag bzgl. Werbung und kostenlose Zeitschriften, demnächst vom Hausmeister durch einheitliche Aufkleber ersetzt. Eigene Beschriftungen sind nicht zulässig!"
Es lebe die Batteriehuhn-Mentalität!
Was mich auch schon lange ärgert, sind die unterschiedlichen Fußabstreifer. Und manche Mieter erdreisten sich sogar unterschiedliche Gesichter zu tragen! Hier gehört wirklich aufgeräumt, Recht so!
LG Werner
Wo zum Teufel bleiben die Weibchen heuer so lange?!: Bedingt durch den Schlechtwettereinbruch mußten sich die Männchen der Gehörnten Mauerbiene diesmal sehr, sehr lange gedulden bis die Damen der Schöpfung erschienen.
www.bauches-lust.de
Allgemeines Interesse
Lieber Werner,
ich habe gerade wegen der Thematik beim Bundesamt für Naturschutz (http://www.bfn.de) mit der Bitte um Stellungnahme nachgefragt.
Ich habe die Hoffnung, dass wir vom BfN eine eine ausführliche Antwort erhalten, mit der wir künftig wildbienenfeindliche Forderungen von Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen abwehren können.
Viele Grüße
Volker
BfN Stellungnahme
Lieber Volker,
laß Dich knutschen! :-)
Eine hochoffizielle Stellungnahme in staubtrockenem Juristendeutsch mit Querverweis auf zwei Dutzend Paragraphen, die letztendlich keiner so genau versteht, wäre natürlich das Non plus Ultra. :-) Sowas schindet Eindruck, gerade bei Bürokraten. Ich würde dann eine Zusammenfassung aller Aspekte inklusive einiger Hintergrundinformationen zu Wildbienen und ihrer "Gefährlichkeit" als PDF-Datei erstellen, die man hier auf der Website (natürlich Melanies Einverständnis vorausgesetzt) für den "Ernstfall" zum Herunterladen einstellen könnte.
Langsam wird mir wieder leichter ums Herz, im ersten Moment war ich nur noch resigniert und frustriert.
Bei den Gartentagen in Lindau hat Dein Wildbienenhotel aus Ton am Stand des Naturgartenvereins übrigens wieder reges Interesse geweckt. Der oben abgebildete Typ ist momentan im Bienenshop auf Deiner Website nicht aufgeführt. Ist er derzeit nicht lieferbar? Falls doch, schick mir bitte ein Exemplar, Adresse hast Du ja.
Staubige Geburt: Erst liegt man zehn Monate in diesem stickigen Loch und langweilt sich zu Tode und dann muß man sich auch noch durch diesen verdammten Lehmdeckel beißen und sich dabei den ganzen Pelz versauen. Wie soll man so Eindruck bei der Damenwelt schinden?
www.bauches-lust.de
Hallo alle zusammen,
na nun bin ich baff. Hier auf Hymenoptera tummeln sich Menschen die man am liebsten persönlich kennen möchte. Ich bin echt erfreut mit euch ein wenig Konversation betreiben zu dürfen.
Die Bauches-Lust Seite sieht schon im Ansatz aus wie ein Versprechen nach Guter Unterhaltung. Ich denke da werde ich mal öfters reinschauen und evtl. auch diese Stücke anschaffen.
Die Fotos der Bienchen sind auch genial. Ich hoffe das, dass BfN die Sache mit Ernsthaftigkeit behandelt sodass wir auch mal handlungssicherheit haben.
Ich wollte mal beim zuständigen Bundesministerium nachfragen welche Zahlen, Daten und Fakten vorliegen müssten um auch andere Wespen (z.B. D. media) unter Schutz stellen zu können. Die Antwort eines promovierten menschen, die eigentlich gar keine war ist ebenso enttäuschend gewesen wie die Tatsache, dass unsere Gesetze viel zu wenig den Zweck verfolgen können weswegen sie niedergeschrieben wurden.
Ich muss Peter Tauchert nochmals kontaktieren- dieser hat den kompletten Schriftverkehr noch vorliegen. dann kann man ihn mal puplizieren. Ist allerdings schon ein paar Jahre her.
Was wollte ich nun eigentlich- mich bei euch allen bedanken- für das was Ihr seid und wie ihr es seid. Alles zusammengenommen und mit hymenoptera und all den webseiten von euch multipliziert ergäbe eine macht mit herz und wissen welche unschlagbar wäre.
Dank und Gruß vom
www.Hornissenberater.de
erik
Was ist "wild"?
§ 44 Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten
(1) Es ist verboten,
1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,
3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.
Gestern hatte ich kurzfristig einen völligen Blackout, wie ich die auf meinem Balkon lebenden Wildbienen als "wild" definieren soll. Peter Tauchert von aktion-wespenschutz.de hat glücklicherweise mit erfrischend bodenständiger Logik die eingefrorenen Neurotransmitter in meinen synaptischen Spalten wieder in Bewegung gebracht. Manchmal können sogar Männer logisch sein. Deshalb hier kurz einige Gedanken zum Thema "wild":
Der Begriff "wild" ist nicht abhängig vom Fundort oder Auftreten der entsprechenden Art. Ein Fuchs der mitten in Hamburg Mülltonnen plündert ist immer noch wild lebend, auch wenn sein Ambiente etwas untypisch ist. "Wild" bedeutet eher "natürlich vorkommend", also nicht unter der Obhut des Menschen stehend und nicht von seiner Pflege abhängig. Eine Fledermaus oder ein Hornissenvolk, das in einer Baumhöhle nistet ist wildlebend. Besiedeln beide Arten einen Nistkasten (natürlich nicht den gleichen!) sind sie deswegen keineswegs plötzlich "zahm". (Eine Fledermaus die zwischen beiden Alternativen pendelt, hätte ja sonst eine multiple Persönlichkeit und wäre therapiereif ). Die bewundernswerte Anpassung an die zunehmende Gegenwart des Menschen ändert an dem Status "wild" nichts. Aus Sicht einer solitären Wildbiene ist es also irrelevant ob sie einen Käferfraßgang im Totholz oder eine Blockflöte besiedelt, ob sie sich ein idyllisches Naturwaldreservat oder einen Balkon im ersten Stock ausgesucht hat. Sie nützt die Rahmenbedingungen die ich ihr biete, ist aber nicht abhängig davon. Unter diesem Aspekt betrachtet, ist die Honigbiene vermutlich dabei, sich langsam aber sicher in ein "abhängiges" Haustier zu verwandeln.
Die nächste Problematik ist meiner Meinung nach jetzt die Formulierung "Aus der Natur". Wie weit kann ich den Begriff "Natur" fassen.
LG Werner
Eine Gehörnte Mauerbiene beißt sich durch: Operation"Dessert Storm".
Frisch geschlüpfte Mauerbienen gleichen oft den Überlebenden eines Sandsturms. Lehmdeckel haben auch ihre Nachteile.
www.bauches-lust.de