
Das Ganze hat sich Ende Mai kurz nach Ende der Rapstracht abgespielt (27.5.2009, Blaustein bei Ulm). Es war eine kleine Trachtlücke nach sehr guter Rapstracht, die Völker waren auf Sammeln programmiert, es gab aber nichts. Die Völker waren schleuderreif, der Imker wollte drei Tage später schleudern (für unsere Region die erste Schleuderung). Er hat natürlich nicht gefüttert. Die Völker mussten nach extremem Totenfall bzw. gelähmten Bienen auf Flugbrett und Beutenboden aufgelöst werden, da auch Jung/Pflegebienen scheinbar durch übertragenes Gift (bei Ameisenbekämpfung erwünscht!) betroffen waren.
Natürlich wurde auch an einen Frevelschaden gedacht, es gibt aber keine Hinweise, der Imker hat seine Bienen seit über 20 Jahren in seinem Hausgarten.
Die Untersuchung durch das Julius-Kühn-Institut ergab daß die Vergiftung eindeutig durch Fipronil verursacht wurde.
Fipronil wird in Ameisengiften (Köder, Gel, Pulver), z.B. Celaflor verwendet. Das Mittel gibt es nicht nur als Falle sondern auch als Pulver ! Zur Anlockung der Ameisen enthält das Insektizid Zucker und wirkt dann im ameisenvolk.
Die zwei Völker standen in einem Garten in der Nähe einer Einfamilienhaussiedlung. Eventuell wurden Ameisennester unter Steinplatten... bekämpft, das Gift war für Bienen zugänglich. Celaflor ist in Garten- und Baumärkten erhältlich, wir aber auch von Schädlingsbekämpfern verwendet. Man sollte zumindest darauf hinwirken, dass solche Präparate nur in Häusern oder ohne Zucker zu verwenden sind.
Es wäre interessant zu wissen ob es schon ähnliche Fälle gab.
Herzlich
Dr.Denoix
Vorsitzender Imkerverein Ulm
Kommentare
Bienenvergiftung durch Fipronil
Ein paar Fragen dazu an alle Fachkundler:
Liegt es in der Natur der Honigbiene zwischen den Grashalmen am Boden oder unter Steinplatten liegende Körner von unter einem milimeter durchmesser oral aufzunehmen oder wurde damit eine vergiftung über die anhaftung am körper gemeint?
Ich kenne aus meinem Fachversand Großhandel ausschließlich für Schädlingsbekämpfer bestimmt, kein Bekämpfungsmittel mit dem Wirkstoff Fipronil.
Celaflor ist halt ein freiverkäufliches Baumarktprodukt. Wie so viele andere chemische Mittel eben auch. Das verwendet aber kein anständiger Schädlingsbekämpfer.
Ich meine Bienen kommunizieren, aber dassein ganzes Volk auf dem Boden Ameisenmittel aufnimmt und letztlich stribt - kann das möglich sein?
Wie sieht es mit einer falschen oder z.B. per Ausnahme genehmigten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln aus?
siehe diesen Link für die großflächige Ausbringung per Genehmigung gegen Kartoffelschädlinge! Gab es derartiges in der Region ULM?
http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/agrar_news_themen.php?SITEID=1140008702&Fu1=1264466126
Auch eine verbotene Ausbringung durch Landwirte ist denkbar!
Sind nur Fragen die vielleicht auch weitere Fragen aufwerfen können und Lösungsansätze zeigten.
MfG
AHLBORN (Berufs Schädlingsbekämpfer und Wespenschützer ;-)
www.Hornissenberater.de
Frage 1
Die Bienen nehmen nicht die Körner auf. Dem Mittel ist Zucker beigesetzt, um die Ameisen anzulocken. Bei Trachtmangel werden die Bienen vom Zucker angelockt, besonders bei Feuchtigkeit. Sie nehmen diesen kontaminierten Zucker bzw. die Feuchtigkeit wie Nektar/Futtersaft auf und tragen das Gift nach Hause. fg Angelika
Bienenvergiftung durch Fipronil
Ok, Danke Angelika.
Also wenn das tatsächlich möglich ist, dann sollten die Imker hier am Ball bleiben, denn ich möchte nicht rechnen müssen, was jährlich an ameisenpulver auf der erde landet. Leider kenne ich mich mit bienen nicht so gut aus- wie ich es wohl müsste.
Da diese schädlingsbekämpfungsmittel nicht dem pflanzenschutzgesetz unterliegen, haben sie natürlich auch keine indikation und anwendungspflicht mit bienengefährdungsklassen. das sollte man dann im vorliegenden Fall auch mal überprüfen lassen. einfach wird es nicht werden!
Aber wie schon oben gesagt. Es ist ja nicht wirklich der ursache auf der spur gegangen worden, denn dr. denoix vermutete die ausbringung von ameisenmittel in der siedlung.
beste grüße
erik
www.hornissenberater.de