Hallo,
der Sommer ist kein Sommer und da kommt das indische Springkraut jezt als Pollen- und Nektarspender gerade recht. Die Sammlerinnen der Ackerhummeln schaffen es bei mir durch diese Pflanze trotz Regen, Wind und Kälte ausreichend Nahrung für den Staat heranzuschaffen.
Ohne diesen Import müssten die Hummeln jetzt wahrscheinlich Hunger leiden.
Umgekehrt gibt die Pflanze den Ackerhummeln so einen Vorsprung in der Produktion von Geschlechtstieren, u.U. mit negativen Folgen für andere Hummelarten (Gartenhummeln und Ackerhummeln bevorzugen dieselben Nistplätze und mehr Ackerhummelnachwachs bedeutet höherer Wettbewerb um diese Nistplätze).
Hier sieht man mal wieder wie zwiespältig die Auswirkungen nicht heimischer Pflanzen auf die Fauna sind.
... und auf die Flora
Hallo Manfred,
wie Du ganz richtig schreibst, ist das ein zwiespältiges Thema. Das Springkraut ist gerade in den feuchten Bereichen in der freien Landschaft die absolute Pest. Es verdrängt ohnehin gefährdete Pflanzenarten und man wird seiner Ausbreitung an manchen Stellen kaum Herr (auch Dank der Hummeln, leider)
Aber im Garten finde ich es o.k.
Gärten sind nunmal nicht reine Natur sondern nur naturnahe (im besten Falle) Kultur, eigentlich ein Zimmer ohne Dach. Hier sollen sich nicht nur Krabbler und einheimische Pflanzenarten wohlfühlen sondern auch der Mensch mit seinen unterschiedlichen Bedürfnissen ans "zeitweise wohnen im Freien". Denn nur wenns dem Gärtner gut geht und gefällt, wird er weiter garteln und damit auch für seine Lieblinge sorgen.
Finde ich zumindest, aber da kann man sicher unterschiedlicher Auffassung sein.
Von wegen Pest
Das Springkraut ist keineswegs eine "Pest" sondern ein hervorragender Indikator für die Ãberdüngung der Felder mit Stickstoff per Gülleintrag.
Springkraut verbraucht für sein immenses Wachstum Unmengen von Stickstoff und es gibt gute Untersuchungen (z.B. Reichholf et al.) zum Thema, die da belegen, dass das Springkraut nur da in entsprechenden Mengen gedeiht, wo die lieben Landwirte in der Nähe ihre Gülle ausbringen.
Und die wenigsten unserer einheimischen Pflanzen kommen mit diesem hohen Stockstoffangebot zurecht. Wenn ich da gelegentlich von Aktionen lese "Befreit-die-Ufer-vom-Springkraut-und-schützt-einheimische-Pflanzen" so ist das höchstens als Streicheln über die Köpfe der Protestlichterkettengemeinde zu sehen - eine nur kosmetisch wirksame Aktion, aber nur kontraproduktiv.
An der Wurzel wird das Ãbel damit jedenfalls nicht gepackt. Genau wie die Problematik der Herkulesstaude. Als Kind bekam ich von meinen Grosseltern gezeigt, dass man die Rohre erst in der Sonne trocknen lassen muss, bevor man bspw. Blasrohre (welcher Junge spielte damit nicht früher gern im Wald?) draus machen konnte.
Heute habe ich den Eindruck, dass überbesorgte Eltern am liebsten die Bundeswehr in Gang setzen würden, anstatt den Kindern das richtige Verhalten beizubringen.
Gruss, Klaus