Hallo,
demnächst ist es wieder so weit: die Blüten der Kugeldisteln öffnen sich und Bienen und Hummeln können garnicht genug davon bekommen.
Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob die Tierchen sich mit diesen Blüten wirklich einen Gefallen tun. Sie sitzen stundenlang auf den Blüten und wirken dabei wie besoffen. Abends schaffen es einige nicht mehr nach Hause zu fliegen und wenn's mal regnet bringen sie sich auch nicht immer in Sicherheit.
Weiss jemand, welche besonderen Stoffe der Nektar dieser Disteln enthält?
Sollte ich die Staude vielleicht doch lieber auf dem Kompost entsorgen um die Hummeln zu schützen? Oder ist das nur ein eher harmloser Rausch, den die Insekten gut überstehen?
es grüsst
Brigitte
Mal genauer hinschauen...
...ich tippe stark darauf, dass die sich darauf sammelnden Hummeln tatsächlich Drohnen sind. Und zu denen passt das beschriebene träge Verhalten; einige nächtigen sogar in Gruppen unter diesen Blüten. Arbeiterinnen sind eigentlich recht flott wieder von dannen.
Die Drohnen wirken oft "zerzaust" und farblich verwaschen oder bunter als die Arbeiterinnen. Bei manchen Arten ist das aber auch sehr schwer zu erkennen....
Melanie
Sind Kugeldisteln schädlich?
Hallo Melanie,
kann sein, dass das hauptsächlich Drohnen sind, aber ist es denn normal, dass man die einfach so von den Blüten schütteln kann? Einige Hummeln und auch Bienen stürzen regelrecht ab, landen im Gras und kommen auch nicht wieder hoch. Ich habe sowas bisher an noch keiner anderen Pflanze gesehen.
Wenn die Distel aufgeblüht sind, werde ich mir die Bienen mal genau ansehen. Zumindest bei denen kann ich die Drohnen erkennen :-)
herzliche Grüsse
Brigitte
Ãberfressen??
Hallo Brigitte,
ich tippe eher darauf, dass die sich schlicht überfressen. Disteln und gerade Kugeldisteln haben ihre kleinen Blütchen ja dicht an dicht stehen. Es lohnt sich also, sehr sorgfältig eine nach der anderen abzuernten und dabei muss man sich nicht viel bewegen. Wer schnell "huddelt", bekommt weniger Nektar, also warum beeilen?
Bei mir sitzen auch immer viele Hummeln auf den Kugeldisteln und gerade sehr viele Drohnen, wahrscheinlich, weil der Blühzeitpunkt so schön passt. Die Drohnen hängen aber eben auch einbeinig verkrallt stundenlang in den Stockrosenblüten ab. Echt 8) , die Typen.
Du bist aber nicht die einzige, die sich Sorgen macht. Bei aktion-hummelschutz.de wurde das auch gerade im Forum diskutiert.
Stimmt...
...schlichtes Ãberfressen passt auch ins Bild. Aber für schädliche Folgen gibt es nach meinen Kenntnissen keinen Beleg - Zugucken und sich dran freuen!
Melanie
Sind Kugeldisteln schädlich?
Hallo,
vielen Dank für die schnellen Antworten!
Ich hab auch nochmal im Internet herumgesucht und gesehen, dass die Kugeldistel des öfteren als Futterpflanze empfohlen wird.
Dann werd' ich mir wohl noch eine zulegen und mich über die vollgefressenen Hummeln freuen :D
herzliche Grüsse
Brigitte
eher hungrig!
"Ãberfressen" dürfte bei Bienen selten vorkommen - viel wahrscheinlicher ist, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Tiere sind entkräftet!
Wenn es in der Umgebung (wie angesichts der zahlreichen "toten" Gärten vielleicht zu erwarten) kaum noch Nektarquellen gibt, werden die noch vorhandenen so stark beansprucht, dass auch hier Nektarmangel auftritt - die aufgrund der Duftwirkung trotzdem weiter anfliegenden, hungrigen Tiere finden nichts und sind nicht mehr in der Lage, aufzufliegen.
Wird nicht noch Nektar von der Pflanze "nachgeliefert", kann das auch zum Tod durch Entkräftung führen.
Der gleiche Effekt ist für das alljährlich zu beobachtende Hummelsterben unter spätblühenden Hybrid- und Silberlinden zu beobachten.
Abhilfe: Soviele Bienen-, Schmetterlings- und Hummelpflanzen wie möglich pflanzen und - noch wichter - im Bekannten-, Verwandtenkreis und bei Nachbarn für naturnahe Gärten werben!
Markus
Sind Kugeldisteln schädlich?
Hallo Markus,
das ist ein neuer, wenig schöner Gesichtspunkt der durchaus wahrscheinlich ist, wenn die Tiere sich tatsächlich von den Blüten runterschütteln lassen.
Wer Disteln oder andere Nektar spendende Pflanzen hat, sollte sie daher unbedingt giessen, wenn der Himmel das nicht derzeit selber übernimmt. Gegossene bzw. ausreichend mit Feuchtigkeit versorgte Pflanzen produzieren wesentlich mehr Nektar als trocken stehende. Ich giesse gerne am frühen Abend, dann haben die Hummeln bei ihrer "späten Runde" noch was davon.
auf jeden Fall...
Hallo Luftikus,
auf jeden Fall ist das (bei andauernder Trockenheit) eine sinnvolle Massnahme: Das Nektarangebot schwankt sehr in Abhängigkeit vom Ernährungszustand der Pflanzen (eine Düngung (mit Kompost) ist da u.U. auch nicht schlecht) und kann auch gegen Null gehen.
Markus
P.S.: Wer über gute Kontakte zu Grünflächenämtern, Mehrheits-Fraktionsvorsitzenden im Rat o.a. verfügt, ist natürlich herzlich eingeladen, sich für einschürige Wiesen statt monotoner Rasen, einheimische Sträucher statt Rhododendren und Kirschlorbeer in Parks und Linden statt Platanen an Strasse einzusetzen :)
P.P.S.: Wer auch noch einen Bauern kennt, kann den vielleicht dazu bringen, zwischen seinen Feldern oder an Wegen ein bisschen Platz für eine kostenlose Benjeshecke abzutreten :D !
Sind Kugeldisteln schädlich?
Hallo Markus,
also die Verwendung heimischer Gehölze finde ich ja zumeist auch ganz gut, man sollte das aber nicht als unverrückbaren Grundsatz nehmen. Rhododendren sind z.B. gar nicht so schlecht für Bienen und Hummeln. Sie blühen z.T. sehr früh und liefern zumindest hier in Hannover eine nicht zu unterschätzende Massentracht im April.
Auch der Kirschlorbeer ist nicht gerade eine Schönheit, aber eine wirklich gute Nahrungspflanze für Hummeln und Bienen. Und die Beeren werden gerne von Vögeln gefressen. Dagegen liefert manch einheimischer Strauch, wie z.B. der Feldahorn (trotz aller sonstigen Vorteile einheimischer Sträucher) eben keinen Nektar.
Sind Kugeldisteln schädlich?
Hallo Luftikus,
mag sein, dass [i]einzelne[/i] Exoten [i]zeitweise[/i] nützlich für [i]einige[/i] Arten sind. Ich halte es aber prinzipiell für eine schlechte Idee, die (in der Regel knappe) Gartenfläche mit sochen "single-use" Pflanzen zu verschleudern, wenn man auf der gleichen Fläche so viel mehr machen kann.
In naturnahen Gärten leben eben auch noch Schmetterlinge, Käfer, Dipteren, Orhopteren und, und, und...und denen ist mit Rhododendren und Kirschlorbeer nicht geholfen (auf den Feldahorn z.B. sind 73 Insektenarten [u]ausschliesslich[/u] angewiesen, auf den Kirschlorbeer keine einzige, den verwandten Bergahorn nutzen 20 Vogelarten, den Kirschlorbeer 3, und: ohne die Raupen und Blattläuse auf dem Feldahorn (auf dem Kirschlorbeer sitzt quasi nichts) keine zukünftigen Sänger in den Vogelnestern!)!.
Dazu kommt: Mit Rhododendron, Kirschlorbeer, Forsythie, Mahonie etc. pp. sind ohnehin 95% aller heutigen Gärten zugepflastert - die wenigen Gärten mit den raren einheimischen Arten, die soviel mehr Leben hervorbringen, muss man nicht auch noch damit ausstatten!
:) Markus