Kuckuckshummeln

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www.hymenoptera.de ::Bienen, Hummeln, Wespen, Hornissen - Biologie der Kuckucksummeln
Kuckucksummeln
(Psithyrus spec.)

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Zusammenfassung

Kuckuckshummeln sind sogenannte "Sozialparasiten" bei den Hummeln (Bombus). Sie werden von einigen Taxonomen als eigene Gattung "Psithyrus" zusammengefaßt. Kuckuckshummeln erkennt man - zumindest bei den mitteleuropäischen Arten - sicher an dem Fehlen der Körbchenhaare an den hinterbeinen. Diese langen Haare dienen Hummeln sonst zum Pollensammeln; Kuckuckshummeln aber lassen sammeln. Sie erwachen etwas später als die Bombus-Königinnen und suchen deren frischgegründeten Nester. Dort schleichen sie sich ein und schaffen es - manchmal unter zahlreichen Opfern unter der Arbeiterinnenschaft - den Platz als Königin einzunehmen. Die alte Königin wird vertrieben oder getötet. Aus ihren Eiern schlüpfen keine Arbeiterinnen, sondern neue Männchen und Weibchen des Kuckucks, die von den verbleibenden Arbeiterinnen gepflegt werden. Derartigen Sozialparasitismus gibt es auch bei Wespen.

Abkürzungen zu den Themen dieser Seite:

Ergänzende Informationen aus anderen Bereichen:

Biologie der Kuckucksummeln (Psithyrus spec.)

Kuckuckshummeln (Gattung Psithyrus) gründen keine Völker mit drei Kasten, sondern bringen nur zwei hervor: Drohnen und fertile Weibchen (Vollweibchen, die den "Königinnen" bei Bombus entsprechen) - eine Arbeiterinnen-Kaste ("Hilfsweibchen") fehlt. Es gibt rund 10 Kuckuckshummelarten in Mitteleuropa.
Die begatteten Weibchen erwachen etwas später als die Königinnen der Gattung Bombus. Die Tiere suchen nach den Nestgründungen ihrer jeweiligen Wirtsart.

Manche Kuckuckshummelarten sind nicht wählerisch und können bei verschiedenen Arten parasitieren - andere sind dahingegen an einen Wirt gebunden dem sie oft recht ähnlich sehen.

Die Kuckuckshummelweibchen dringen in die Nester ein, die zu diesem Zeitpunkt noch keine oder nur wenige Arbeiterinnen haben. Die Königin selbst nimmt den Eindringling oft nicht wahr; es sind dagegen - wenn vorhanden - die Arbeiterinnen, die sich heftig gegen die Okkupation wehren.
Je nach Art und Wirtsart verläuft die Übernahme mehr oder weniger gewaltsam. Das Abstechen der Wirtskönigin durch den Kuckuck geschieht offenbar eher selten. Sie geht vor allem durch Vernachlässigung und Aggression durch die eigenen Arbeiterinnen vorzeitig zugrunde. (entsprechend dem Verhalten während der Competition Phase - siehe hierzu auch Hummeln: Biologie).
Innerhalb der ersten Tage muß sich der Kuckuck gegenüber den Arbeiterinnen oft gewaltsam durchsetzen, dabei attackieren sich die aufgeregten Arbeiterinnen oft sogar gegenseitig. Dabei kann es zu erheblichen Verlusten kommen - manchmal endet so eine Übernahme mit dem Verlust von rund 2/3 der Arbeiterinnen. Die Aufregung legt sich schließlich und der Kuckuck beginnt mit der Eiablage und dem Fressen der durch die Stockmutter gelegten Eier (Oophagie). Die Stockmutter und die Arbeiterinnen hingegen kontern auf gleiche Weise - sie fressen die Eier der Kuckuckshummel, wobei Larven, deren Eier der Oophagie entkamen, nicht angetastet werden. Kuckuckshummeln zeigen ein eigentümliches Kopfreibe-Verhalten. Sie reiben dabei mit ihrem Kopf den Körper der Arbeiterinnen oder der Königin. Es wird vermutet, daß dies der Übertragung von Pheromonen dient, die das Abwehrverhalten der Arbeiterinnen dämpft; möglicherweise auch das Vernachlässigen der eigentlichen Stockmutter verursacht. So parasitierte Völker zeigen eine schlechtere Volksentwicklung und liefern nur wenige oder keine Bombus-Geschlechtstiere; hinzu konmt eine größere Zahl an Männchen und Weibchen des Psithyrus-Weibchens.

Die geschlüpften Kuckuckshummeln helfen weder bei der Brutpflege noch sammeln sie Nahrung. Allenfalls beteiligen sie sich beim Wärmen der Brut. Nachdem sie sich bevorratet haben, verlassen sie das Pflegevolk und verpaaren sich. Die Vollweibchen überwintern an versteckten Stellen ähnlich der Bombus-Königinnen.
Kuckuckshummeln sind ein vermutlich sehr junger evolutionärer Zweig weshalb sie von einigen Taxonomen auch als "Bombus"-Arten betrachtet werden. Die grundsätzliche Idee ist nicht neu - auch bei Wespen gibt es diverse Sozialparasiten.

Drohn der Angebundenen Kuckuckshummel

Drohn der Felsenkuckuckshummel

Kuckuckshummeln erkennen

Kuckuckshummeln erkennt man mit einiger Übung leicht - sie haben

  • einen intensiven blauschwarzen Glanz
  • eine unregelmäßige Behaarung mit kahler Rückenpartie
  • oft dunkel glänzende Flügel
  • je nach Art mit variabler Färbung ihrer Wirtsart
  • fehlende Corbiculae (die langen Körbchenhaare am Hinterbein zum Sammeln von Pollen)
  • veränderte Körperproportionen (Beine wirken oft länger und größer; Kopf mit Mandibeln mächtiger)

Vergleich der Hinterbeine von Bombus und Psithyrus

Mit Kuckuckshummeln umgehen

Wer im Frühjahr aktiv Hummeln einsiedeln möchte, muß die Unterschiede zwischen Kuckuckshummeln und Bombus-Königinnen gut kennen - denn einen Kuckuck kann man nicht aktiv ansiedeln. Kuckuckshummeln finden die Nester offenbar am Geruch. Daher sind selbst künstliche Nisthilfen nicht vor invasiven Kuckuckshummeln gefeit. Manche Nisthilfen aus Kunststoffen (Styropor) scheinen sogar ev. durch den stärkeren Nestgeruch besonders gerne von den Kuckuckshummeln angeflogen zu werden.
Sind die ersten Arbeiterinnen da, so kann man suchenden Kuckuckshummeln durch Verengung des Flugloches abwehren. Dadurch können die kleinen Arbeiterinnen ein- und ausfliegen; für den Kuckuck ist es aber zu eng.
Wer entdeckt, daß die Königin bereits Gesellschaft eines Kuckucks bekommen hat, kann diesen dann noch entfernen. Dazu einfach das Kuckucksweibchen von der Wabe abfangen (meist versteckt sie sich statt zu abzufliegen) und in einem Gefäß einige Kilometer weiter transportieren um sie dort abfliegen zu lassen.
Dies darf man nur machen, wenn...

  • ...man den Kuckuck sicher von der Bombus-Königin unterscheiden kann und sich sicher ist, die richtige Hummel abzufangen
  • ...die Bombus-Königin vital und unbeschadet ist (ist sich schwach, verletzt oder hält sich passiv außerhalb der Waben auf, so ist das Nest eh verloren - warum dann nicht dem Kuckuck seine Chance lassen ?)
  • ...keine oder nur wenige Arbeiterinnen da sind - bei stärkeren Völkern sind solche Maßnahmen aufwendig und meist ist die Bombus-Königin schon verletzt oder getötet.

Das gezielte Töten der Kuckuckshummeln wäre aber falsch verstandener "Artenschutz" - das Entfernen des Kuckucks ist auch nicht zwingend oder gar "Pflicht". Sie sind ein Teil der Hummelbiologie und einem echten Hummelfreund ist es nicht so wichtig, ob da nun Hummeln der Gattung Bombus oder Psithyrus heranwachsen.