
|
Benutzung, Hinweise, Gliederung
Teil 1 - Warum Hornissen schützen und wie ?
|
Während die plumpe, behaarte Hummel schnell Freunde gewinnt und ihr Nutzen jedem Gartenbesitzer schnell einleuchtet, ist es für die Hornisse schon schwieriger.
Ihre Signalfarben lassen sie als aggressiv und stechfreudig erscheinen, viele unangenehme Eigenschaften bestimmter Wespenarten werden auf sie übertragen und ihr "Nutzen" wird dem Gärtner nicht so einfach offenbar. Warum also Hornissennistkästen aufhängen ?
Einige Fakten dazu:
Hornissen wichtige und hilfreiche Helfer im Kampf gegen Obst- und Gemüseschadinsekten und andere "Nahrungskonkurrenten" sind - auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Wespen, Fliegen und diverse Motten und Falter wie z.B. der Apfelwickler.
Hornissen sind im Allgemeinen passiver und weniger aggressiv als die oft reizbaren Völker der Deutschen und Gemeinen Wespe - sie lassen sich daher besonders gut beobachten und eignen sich daher besonders für die Jugendumweltpädagogik.
Hornissen gehen weder an süße Lebensmittel noch an Fleisch - Grillfeste und Kaffeeklatsch bleiben unbehelligt.
Hornissen sind - aufgrund ihres schlechten Rufes - auch eine Attraktion: Wer also an einem Schaubienenvolk noch mehr Auflauf erreichen will, kann dies durch ein Hornissenschauvolk erreichen. Hornissen demonstrieren, daß Arten- und Naturschutz nicht nur süße Pandas, beeindruckende Wale oder uralte Urwaldriesen betrifft: Artenschutz betrifft auch das anfangs als häßlich und eklig abgelehnte....wer sieht, wie sehr sich in den letzten Jahrzehnten das Bild der "grausslichen" Fledermaus und der "ekligen" Kröten gewandelt hat und wie sehr das diesen Artengruppen gut getan hat, der versteht, daß Artenschutz *alles* und *jeden* angeht.
Auch wenn Hornissen keinen Honig liefern oder keine Bestäuber sind - auch sie sind ein Teil der Natur und verdienen keine irrationale Verfolgung.

Hornissen haben eigentlich wenige Feinde: Die großen, leuchtend gefärbten Tiere mit dem wehrhaften Stachel scheinen am Ende der Nahrungskette zu stehen - wen sollten sie fürchten ?
Hornissen sind untereinander sehr aggressiv. Dicht nebeneinander liegende Völker streiten sich, die Arbeiterinnen verwickeln sich in Kämpfe und die Volksentwicklung leidet. Auf diese Weise werden schwächere Völker oft vollkommen aufgelöst.
Hornissenköniginnen sind in der Nestgründungsphase extrem empfindlich und störungsanfällig. Krankheiten, klimatischen Einflüsse und nicht zuletzt der Kampf der Königinnen untereinander um Nester und Nistplätze sorgt für nur einen geringen Fortpflanzungserfolg. Etwa nur eine von zehn Nestgründungen entwickelt sich zu einem Volk !
Nur ein geringer Teil der Völker zieht jedoch eigene Königinnen heran - die meisten brechen zuvor zusammen. Zum Teil liegt dies an frühzeitigem Verlust der Königin oder aber an Parasiten und Krankheiten, die die Volksentwicklung hemmen. Nach Untersuchungen an der FU Berlin braucht es um die 250 Arbeiterinnen ehe eigene Königinnen herangezogen werden - viele Völker erreichen diese Zahl nicht.
Doch vor allem durch den Einfluß des Menschen ist die Hornisse in vielen Landstrichen selten geworden - fest schon systematische, gedankenlose Vernichtung der Nester durch Gift und Feuer aufgrund veralteter und falscher Gerüchte hat die Hornisse regional fast ausgerottet. Zwar ist sie noch lange nicht so selten wie ihre kleine Verwandte, die Dolichovespula media, doch ist ihre mangelnde Akzeptanz durch den Menschen ihr größter Feind - dies hat selbst den Wolf aus Deutschland getrieben.
Hinzu kommt, vor allem im besiedelten und städtischen Bereich, der Mangel an geeigneten Nistplätzen (hohle Bäume), wodurch neue, meist konfliktträchtige Nistplätze wie Dachböden, Fassadenverschalungen und Vogelnistkästen besiedelt werden.
Der schlechte Ruf der Hornisse beim Gärtner, Förster und Imker als Forst- und Bienenschädling ist nicht gerechtfertigt. Das "Ringeln", das Aufbeißen der Rinde zum Auflecken des süßen Pflanzensaftes, verursacht zwar manchmal Wuchsschäden, jedoch grundsätzlich keine schwerwiegenden, gar bestandgefährdende Schäden.
Auch das Benagen von Fallobst ist nur ein geringfügiger Schaden; hier sind Wespen wesentlich bedeutsamer. Der Fang von Bienen hält sich in Grenzen - eine Hornissenkönigin in der Nestgründungsphase benötigt ca. 20 Bienen pro Tag - bei einer Schlupfrate von bis zu 1000 Bienen täglich fällt dieser Verlust kaum ins Gewicht.
Dabei fängt ein gut entwickeltes Hornissenvolk bis zu einem Pfund Insekten täglich. Darunter sind auch unbeliebte Schadinsekten wie Obst- und Pflanzenparasiten, Fliegen und Wespen. Statt Gift zu spritzen kann hier ein Hornissenvolk bessere Dienste leisten. Hymenopterendienste haben oft regelrechte "Stammkunden" die sich jedes Jahr ein Hornissennest in den Garten hin umsiedeln lassen - denn die Hornissen sind ein Garant für einen weitgehend wespenfreien Sommer.
Hornissenschutz ist einfach und beruht auf wenigen Grundpfeilern:
Aufklärung: Informieren Sie Nachbarn und Bekannte über Hornissen und Hornissenschutz. Greifen Sie ein, wenn der Nachbar in "Selbsthilfe" gegen ein Hornissennest vorgeht - dafür müssen (und sollten Sie vielleicht auch nicht) gleich die Polizei rufen - ein Gespräch und die Nummer eines Beraters vor Ort; zu finden in der Beraterdatenbank oder über den örtlichen Naturschutzbund, hilft eher als die "Gesetzeskeule".
Vorleben: Zeigen Sie Ihren Kindern nicht nur die Tiere im Zoo, sondern auch die im Garten. Dazu gehören auch die "ekligen" Tiere, vor denen andere Erwachsene (Lehrer, Kindergärtner) Ihr Kind womöglich warnen und ihnen damit eine Angst fürs Leben einbrocken. Wecken und fördern Sie Interesse und Neugierde an der Natur und zeigen Sie den richtigen Umgang - dazu gehört auch, daß man Kinder vor sich und andere gefährdenden Manipulationen an Nestern warnt. Sollte es doch mal zum Stich kommen, reagieren Sie nicht gleich panisch, wenn es dafür keinen Anlaß gibt - Natur ist nicht immer einfach nur "schön und angenehm" !
Aktiv helfen: Bemühen Sie sich um abwechslungsreiche Gartengestaltung. Erhalten Sie wenn möglich alte Bäume auch wenn diese kränkeln. Hängen Sie Nisthilfen für Hornissen auf und akzeptieren Sie auch ein Nest, auch wenn es mal ungünstig liegt. Lassen Sie sich im Zweifelsfall durch den Hymenopterendienst vor Ort beraten.

Hornissen brauchen eine abwechslungsreiche, grüne Umwelt. Sie ziehen wasserreiche Gegenden (Fließ, Überschwemmungswiesen) mit altem, lockeren Baumbestand vor; beötigen jedoch auch dort warme und sonnige Standorte.
Dabei sind sie jedoch flexibel und selbst Großstädte können eine Hornissenpopulation in den grünen Randbereichen aufweisen.
Wer in einer solchen Umgebung wohnt und sogar über einen Garten verfügt, kann grundsätzlich einen Hornissennistkasten problemlos aufhängen.
Sie benötigen einen Nistkasten. Diese einfach zu bauenden Kästen sind etwa 50 bis 60 cm hoch und besitzen ein Innenmaß von 25 bis 35 cm je nach Bauplan. Ein Loch oder Schlitz dient als Einflug; der Boden ist schräg und hat einen dünnen Spalt durch den die Nestabfälle herausfallen. Die Kasten sollten innen rauh und unbearbeitet sein damit die Tiere gut laufen können. Außen empfiehlt sich ein wetterschützender Anstrich, Dachpappe für das Dach und einen sogenannten Spechtschutz um das Einflugloch (ein Stück Metall, das verhindert, daß Spechte den Kasten in "Beschlag" nehmen). Man kann diese Kästen von der Fa. Schwegler aus Holzbeton erwerben (ca. 90 Euro); es gibt aber auch immer wieder Aktionen von Naturschutzvereinen und engagierten Bastlern, die die Kästen billiger abgeben. Das preisgünstigste ist der Selbstbau - Baupläne gibt es im Downloadbereich.
Wer einen Kasten mit geschlossenem Boden erwirbt (z.B. Schwegler) oder baut, sollte in den Kasten einen mit Holzspäne gefüllten Kasten stellen (ca. 5 cm hoher Rand, gesamte Bodenfläche) damit die flüssigen Abfälle den Kasten nicht "versiffen" und beschädigen. Möglich - wenn auch nicht so effizient - ist eine Plastiktüte mit Späne darauf. Auch bei "geschlitzten" Kästen empfehlen Hornissenfreunde, den Bodenspalt mit Moos oder Holzspäne abzudecken - es verhindert Zugluft und daß die manchmal herunterfallende Königin womöglich aus dem Kasten fällt und verloren geht !
Wichtig ist eine hohe Anbringung (ca. 4 m), wobei der Kasten zumindest einen Teil des Tages sonnenbeschienen sein sollte.
Eine witterungsgeschützte Aufhängung.
Der Kasten sollte ein relativ freies Einflugfeld bieten; also nicht hinter vielen, dicht belaubten Ästen versteckt werden.
Die Abringung kann an Bäumen oder am Haus erfolgen; bei der Anbringung am Baum muß auf eine absturzsichere und baumschonende Anbringung mittels spezieller Baumnägel (Aluminiumnägel) geachtet werden (noch besser ist natürlich, wenn man den Kasten mit festem Draht an einem Aststumpf o.ä. anhängt).
Der Kasten muß mit seiner Rückwand fest am Baum, der Hauswand etc. anliegen, er sollte nicht frei hängen und pendeln (eine zusätzlich Fixierung mit einem weiteren, um den Baumstamm geführten Draht kann sinnvoll sein).
Trotz der sprichwörtlichen Friedlichkeit der Tiere - im September sind sie oft launisch und das ist oft auch die Erntezeit. Daher überlegen Sie sich gut, ob Sie den Kasten an oder sehr nahe an Obstbäumen anbringen. Auch wenn Bauarbeiten, Baumfällungen o.ä. in unmittelbarer Nähe stattfinden, kann das gerade im September zu Konflikten führen - daher lieber ein ruhigeres und abgelegeneres Plätzchen wählen.
Falls Sie mehrere Kästen anbringen möchten, sollten Sie mindestens 25, besser 50 m Abstand zwischen ihnen einplanen. Zusätzlicher Sichtschutz (hoher, dichter Bewuchs) ist förderlich für die gute Entwicklung der Völker da Kabbeleien minimiert werden.
Der Kasten sollte ab Anfang Mai an seinem Platz sein.
Die Ansiedlung wird durch alte Nestreste gefördert. Diese Nestreste bekommt man bei den örtlichen Hymenopterendiensten oder aber man findet sie im Dachboden, Rolllädenkästen oder anderen Nistorten der Hornisse. Einige Hüllenteile an Decke und Wände geklebt (ohne dabei den Raum zu sehr zu verkleinern oder der Königin den Platz zum Anbringen ihrer eigenen Wabe zu nehmen) fördert die Ansiedlung. Die alten Nester scheinen der Königin zu suggerieren, daß hier schon mal Hornissen erfolgreich gebrütet haben. Es ist auch möglich, einen schon mal von Hornissen besiedelten Vogelnistkasten dort hineinzustellen - die Geruchsstoffe scheinen über Jahre wirksam zu sein. Eventuell eignen sich auch die Nester anderer Wespen.
Bei der Wahl des Standorts sollten jedoch auch weitere Kriterien eine Rolle spielen: Die zukünftige Einflugschneise sollte nicht über stark begangenes Gelände führen, also z.B. einen Weg kreuzen, an Spielplätzen oder über der Terrasse liegen. Dies ist besonders dann wichtig, wenn die Aufhängung aus bestimmten Gründen nicht so hoch erfolgen kann.
Das Einflugloch sollte auch nicht in Richtung naher nachbarschaftlicher Grundstücke zeigen um Konflikten mit diesen vorzubeugen.
Unterhalb und nahe vor dem Kasten muß man bei erfolgter Besiedlung mit erheblichen Verschmutzungen rechnen - hier sollte nichts stehen oder liegen, was einem lieb und teuer und was schwer sauberzuhalten ist.
Weiterhin bedarf es zum Teil einer erheblichen Geduld - oft bleibt der Kasten jahrelang unbesiedelt oder es kommt zwar zur Gründung, nicht aber zur erfolgreichen Volksentwicklung. Hier gilt es, nicht aufzugeben... vielleicht hilft schon ein Umhängen an einen anderen, besseren Standort.

Vor dem Aufhängen sollte man natürlich auch die "Kehrseiten" von Hornissen kennen und darauf gefaßt sein - diese Tiere hat man zwar immer nur für ein Jahr, aber in dieser Zeit nimmt sie kein Tierheim der Welt. Daher also daran denken:
Hornissen verschmutzen ihren Kasten und auch die unmittelbare Umgebung - sie lassen ev. Larven direkt vor dem Eingang runterfallen und ihr flüssiger Kot tropft herunter. Eine geruchliche Beeinträchtigung ist ebenfalls möglich.
Hornissen können stechen - und bei aller Passivität und Friedlichkeit kann niemand 100%ig einen Stich ausschließen - gerade bei Kindern, die manchmal "für jeden Blödsinn" zu haben sind, kann es zum Stich kommen. Auch schlappe oder sterbende Tiere im Nestbereich können nackten Füßen einen Stich verpassen.
Hornissen fliegen auch nachts - die Grillparty am Abend kann also womöglich nur mit Hornissenbesuch stattfinden. Die Tiere sammeln sich an Lampen oder Kerzen. Wer hier ungestört sitzen möchte, sollte Mückenlichter oder Partylichter nicht auf den Tisch stellen, sondern lieber auf einen Beistelltisch an die Seite. Auch das Fernsehen bei offenem Fenster kann unter Umständen "Mitgucker" einladen - Fliegengaze oder Befolgen der Regel "Licht an = Fenster zu" könnten notwendig werden.
Hornissen gehen weder an Süßes noch an Fleisch - sie schätzen aber Fallobst und gehen auch an Sommerflieder, Birken, Birnen und andere saftreiche Gehölze. Dort können sie - bei jungen Pflanzen - bei entsprechend starkem Besuch zu verkrüppelten Trieben führen. Der rege Beflug kann auch - wenn die Pflanzen nahe an Wegen oder Nutzflächen stehen - als belästigend empfunden werden.
Hornissen haben wenig Freunde - und womöglich ist Ihr Nachbar keiner. Es kann also zu unerfreulichen Diskussionen kommen. Ein nach obigen Regeln "nachbarfreundlich" aufgehangener Kasten kann Ihnen nicht juristisch verboten werden - aber wer mag schon mit seinem Nachbarn deswegen vor Gericht streiten ?
Diese Punkte sollen Ihnen bitte nicht den Spaß und das Interesse an Hornissen nehmen - es sind nur Punkte, die man vor Aufhängen des Kastens wissen und beachten sollte.
Nur dann kann man überzeugter & begeisterter "Hornissenhalter" werden... und für die Umgebung ein Beispiel sein.
Neueste Kommentare
vor 22 Stunden 9 min
vor 1 Tag 8 Stunden
vor 1 Tag 20 Stunden
vor 2 Tage(n) 2 Stunden
vor 2 Tage(n) 2 Stunden
vor 2 Tage(n) 2 Stunden
vor 2 Tage(n) 4 Stunden
vor 2 Tage(n) 8 Stunden
vor 2 Tage(n) 18 Stunden
vor 3 Tage(n) 16 Stunden