Wespe oder Biene?

admin's picture
Biene, Wespe oder Hummel ?
Eine Hilfe beim Erkennen und Identifizieren

Benutzung, Hinweise, Gliederung

  • Bitte respektieren Sie das Copyright - Texte und Bilder können Ihnen (auch in besserer Qualität) gerne zur Verfügung gestellt werden. Kontaktieren Sie uns einfach über das Impressum!

  • Wenn Sie diesen Beitrag kommentieren, korrigieren oder ergänzen möchten, können Sie dies einfach am Fuss dieser Seite vornehmen (nur als angemeldetes Mitglied)

  • Bei weiteren Fragen schauen Sie bitte in die biologischen FAQs. Dort können Sie auch Fragen stellen.

Zusammenfassung

Wespen und Hornissen lassen sich mit einigen Kennzeichen einfach von Bienen und Hummeln unterscheiden: Letztere sind dicht behaart und besitzen relativ lange Mundwerkzeuge ("Rüssel"). Während Bienen oft eher gedämpfte Farben tragen (braun, grau, schwarz) sind viele der in der Regel doppelt so großen Hummeln mit kräftigen, kontrastreichen Farben versehen. Hummeln und Bienen lassen sich oft an Blüten beobachten - Wespen sind dahingegen dort nur selten und bevorzugt an flachen Blüten zu beobachten. Man findet sie am gelegentlich an Nadelbäumen, wo sie Honigtau naschen oder an stark mit Blattläusen befallenen Pflanzen. Die vielen solitären Bienenarten sind schwer zu identifizieren - es gibt um die 600 Bienen- und Hummelarten in Deutschland. Ein typisches Kennzeichen der Wespen ist die sichtbare Wespentaille; die Einschnürung zwischen Hinterleib und Brust. Zudem sind sie nur sehr spärlich behaart. Viele Wespenarten sind leuchtend, kontrastreich gefärbt. Inklusive der solitären Wespenarten sind um die 630 Arten in Deutschland heimisch. Die einzelnen Wespenarten werden tabellarisch verglichen und ihr "Problempotential" ermittelt. Ein besonderes Problem bei der Arterkennung ist die Mimikry bei der harmlose Schmetterlinge, Fliegen oder Mücken duch Färbung und Behaarung versuchen, die "bestechende Verwandschaft" zu imitieren.

Abkürzungen zu den Themen dieser Seite:

Ergänzende Informationen aus anderen Bereichen:

Was bringt mir die Arterkennung ?

Rasch huscht etwas vorbei - war das nun eine Biene, Wespe oder was ?
Dauernd fliegt etwas unter das Dach - nistet es da und was ist das eigentlich ?
Nicht immer ist klar, um wen oder was es sich handelt. Wer das aber rausfinden will oder gar muß weil er Wespen- oder Bienengiftallergiker ist, der sollte sich etwas Zeit nehmen und genauer hinschauen. Nicht zuletzt läßt sich durch die Arterkennung auch viel Geld und Aufwand sparen, denn...

  • ...die meisten Wespenarten gehen weder an Süßes noch Fleisch - sie werden also nicht "lästig"

  • ...viele der volksbildenden Wespenarten beenden ihre Saison schon im Juli/August - warum dann den Schädlingsbekämpfer bezahlen damit er ein eh gerade absterbendes Wespennest vernichtet ?

  • ...die meisten Bienen können nur stechen, wenn man sie zwischen den Fingern drückt. Sie verteidigen ihre Nester auch nicht - warum sich dann Gedanken um die Kinder machen, wenn gerade diese Arten im Rasen brüten ?

  • ...einige Wespenarten und alle Bienenarten sind besonders geschützt - nicht nur, daß die Vernichtung verboten ist; womöglich haben Sie eine besonders seltene Art bei sich im Garten und können nicht nur Geld sparen, sondern auch noch was für den Artenschutz tun wenn Sie die Tiere dort belassen.

  • ...viele soziale und solitäre Wespenarten "bezahlen" quasi Miete - denn sie sind ausgezeichnete, natürliche Schädlingsbekämpfer. Warum also noch zusätzlich Pflanzenschutzmittel spritzen ?

Daher also: Arterkennung schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel - und beruhigt das Gewissen in mehrfacher Weise ! Und um dies zu können, braucht es weder ein Biologiestudium noch umfangreiche Fachliteratur - ein paar Grundlagen und kennzeichen und Sie können Ihren Untermieter wenigstens grob in die richtige Richtung einordnen. Und das reicht schon vollkommen

Bienen und Hummeln

Hummeln gehören zu der Familie der Apidae - der Bienen. Hummeln sind also Bienen und viele Leute fassen Hummeln und die zahlreichen Solitärbienenarten, die keine Völker bilden, unter dem Begriff "Wildbienen" zusammen. Die domestizierte Honigbiene Apis mellifera ist in Deutschland die einzige Biene, die mehrjährige Völker bildet.
Hummeln und Bienen lassen sich in der Regel gut erkennen:

Körperbau der Hummel

  • Nahezu alle Arten sind dicht behaart.
  • Während die großen, dicken Hummeln oft leuchtende Farben tragen, sind viele solitäre Bienen wie die Honigbiene unauffällig braun, grau oder schwarz.
  • Es existieren Pollensammlungseinrichtungen - oft lange Haare an den Hinterbeinen (Corbiculae); bei solitären Arten manchmal auch am Bauch u.a. Stellen.
  • Die dünne Verbindung zwischen Vorder- und Hinterleib ist wegen der Behaarung nicht leicht zu erkennen.
  • Bis auf die Honigbiene und die Hummeln leben die meisten Bienenarten solitär - sie bilden keine Völker, sondern die Weibchen versorgen ihre Brut alleine.
  • Die Nester von Bienen sind in unseren Breiten immer gut versteckt - in Baumhöhlen oder in Bohrlöchern im Holz. Die meisten Arten wie auch die Hummeln, nisten unter der Erde.
  • Alle Bienen sind Blütenbesucher, die Pollen sammeln und mit langen Mundwerkzeugen Nektar aufsaugen.

Vergleich verschiedener Bienen
Merkmal Hummeln solitäre Bienen Honigbiene
Körperbau Siehe Zeichnung Siehe Zeichnung Siehe Zeichnung
Besondere Kennzeichen Die im Frühjahr bienengroßen Hummelarbeiterinnen fallen im Sommer wesentlich dicker und kräftiger aus. Tiefer Summton, pummelige Erscheinung, dichte, oft kontrastreich gefärbte Behaarung, Sammeln Pollen an den Hinterbeinen Sehr vielgestaltig. Erreichen selten Hummelgröße, sonst ähnlich der Honigbiene. In der Regel eher unauffällig gefärbt (braun, grau, schwarz). Grau bis Braun, oft nur an Blüten, beim Wasserholen oder direkt am Nest ("Bienenstock") zu beobachten.
Nester Die meisten Arten unterirdisch, selten in Vogelnestern oder unter Grasbüscheln, bzw. im Heu Je nach Art in einzelnen Löchern in der Erde (oft Loch neben Loch in "Kolonien") oder in Röhren (Reet) oder im Holz (Fraßgänge, Ritzen) Immer in Hohlräumen in denen die senkrechten hängenden Wabenplatten aus Wachs errichtet werden
Belästigung bei Tisch ? Nein Nein Selten - im Spätsommer können ausgehungerte Bienenvölker manchmal an süße Lebensmittel gehen und werden dann in z.B. Bäckereien zur Plage
Verursachen von Bauschäden ? Gering - Hummeln nagen nicht; dafür bringen sie manchmal Isoliermaterialien an Unordnung. Sekundäre Parasiten wie Wachsmotten können helle Fraßspuren am Holz verursachen Bis auf wenige, aktiv nagende Arten (z.B. Holzbiene) keine da bereits fertig existierende Löcher besiedelt werden. Manche Arten legen an kahlen Rasenstellen oder zwischen Pflastersteinen kleine Sandhäufchen an Keine. Siedeln selten am Haus
Sonstiges Hummeln können - wenn sie es auch selten tun - stechen Wildbienen sind sehr wichtige Bestäuber und werden häufig für "Erdwespen" gehalten. Manche Arten wie die graue, dicke Pelzbiene oder die blauschwarz glänzende Holzbiene werden auch mit Hummeln verwechselt. Honigbienenvölker überleben außerhalb imkerlicher Obhut meist nur 1 bis 2 Jahre. Besonders spektakulär ist die Vermehrung durch Schwärme
Arten & Beschreibungen, Bilder An die 30 Arten in Deutschland. Bildergalerien Um die 550 Arten in Deutschland. Bildergalerien 1 Art in Deutschland (jedoch diverse Rassen). Bildergalerien zu Schwärmen/Umsiedlungen

Wespen (inkl. Hornisse)

Die Hornisse (Vespa crabro) gehört wie die sozial lebenden Lang- und Kurzkopfwespen zu der Überfamilie der Vespoidea - der Wespenartigen. Viele Arten sind nicht immer gleich als Wespen zu erkennen - ihr Hinterleib ist lang und dünn und andere tragen einen dünnen, stachelartigen Fortsatz am Hinterleibsende (der vollkommen harmlose Ovipositor mit denen diese Arten ihre Eier in z.B. Holz legen). Wie auch bei den Bienen sind die meisten Arten solitär lebend. Nur einige Faltenwespenarten der Familie der Vespidae (zu der auch die Hornisse gehört) leben sozial und bilden Völker. Diese Gruppe läßt sich mit einigen Merkmalen recht gut erkennen:

  • Nahezu alle Arten sind kaum behaart.
  • Sie tragen leuchtende Farben.
  • Sie besitzen eine durch die mangelnde Behaarung oft deutlich sichtbare "Wespentaille"; eine Einschnürung zwischen Vorder- und Hinterleib.
  • Sie besitzen kurze Mundwerkzeuge und besuchen nur selten Blüten.
  • Die meisten Arten leben solitär oder gar parasitisch - sie bilden keine Völker, sondern die Weibchen versorgen ihre Brut alleine, bzw. läßt die Brut durch z.B. Bienenweibchen versorgen.
  • Die Nester von Wespen sind in unseren Breiten immer gut versteckt - in Baumhöhlen oder in Bohrlöchern im Holz. Die meisten Arten nisten unter der Erde. Einige soziale Faltenwespen bauen ihre Nester freihängend in Büschen oder im Dachboden.
  • Nahezu alle Wespenarten sind Jäger, die für ihre Brut andere Insekten erbeuten.

Körperbau der a) Feldwespe und b) Kurzkopfwespe

Vergleich verschiedener sozialer Faltenwespen
Merkmal Feldwespe Hornisse Langkopfwespe Kurzkopfwespe
Körperbau Siehe Zeichnung, Bild a) Siehe Zeichnung, Bild b) Siehe Zeichnung, Bild b) Siehe Zeichnung, Bild b)
Besondere Kennzeichen Hintere Beinpaare hängen im Flug herab. Hinterleib deutlich von der Brust abgesetzt Mit 3 bis 4 cm die größe soziale Faltenwespe. Deutliche braun-rote Brust, roter Kopf, kräftig schwarz-gelber Hinterleib Kurz- und Langkopfwespengesicht
Die Langkopfwespen (b) haben einen deutlich längeren, schmaleren Kopf mit großem Abstand zwischen Kiefern und Augen als die eher "rundgesichtigen" Kurzkopfwespen
Nester Schema: Nest von Polistes im Querschnitt
Freihängende, rund Wabe ohne Hülle an Pflanzenstielen, in warmen Dachböden u.a. Nur 10-15 cm Wabendurchmesser. Keine Wabenetagen
In Hohlräumen, hinter Verschalungen, groß und beigebraun mit breiten Lufttaschen Freihängend, oft kuglig oder erdbeerförmig, beige bis grau, in Dachböden, Gebüschen, etc. In der Regel versteckt hinter verschalungen, assymmetrisch je nach räumlichen Gegebenheiten, oft auch in der Erde
Belästigung bei Tisch ? Nein Nein Nein Ja, 2 von 3 Arten. Werden u.U. in Bäckereien zur Plage
Verursachen von Bauschäden ? Nein Bauschäden durch Benagung selten und gering da bei Platzmangel "umgezogen" wird. Häufig Bauschäden unter dem Nest durch flüssige Nestabfälle Bauschäden möglich aber sehr selten da die Tiere in größeren Hohlräumen freihängend nisten Bei Platzmangel bei 2 von 3 Arten möglich (Zernagen von Styropor, Rigips, Dachpappe, etc.)
Sonstiges Manchmal massenhaftes Auftreten, da die Tiere im nächsten Jahr zurückkehren und neben dem alten Nest neu gründen Friedliche Tiere, die weder an Fleisch noch an süße Lebensmittel gehen. Alte Nester fördern offenbar die Neuansiedlung in der Nähe Alte Nester fördern offenbar die Neuansiedlung in der Nähe Völker überdauern im Wohnbereich manchmal bis in den Dezember und dringen dann vermehrt in den Wohnraum ein. Alte Nester fördern offenbar die Neuansiedlung in der Nähe
Arten & Beschreibungen, Bilder 5 Arten in Deutschland 1 Art in Deutschland; siehe Hornissen: Biologie 4 Arten in Deutschland; siehe Arten: Langkopfwespen 4 Arten in Deutschland; siehe Arten: Kurzkopfwespen

Ausnahmen: Mimikry

Nicht jede Biene ist gleich eine und das gilt auch für Wespen: Viele Insekten, die nicht über eine Stachel verfügen, nutzen die leuchtenden Warnfarben, die sich die stechende Verwandschaft im Laufe der Evolution zugelegt haben. Manche imitieren so gut, daß es eines genauen Blickes bedarf um den Imitator zu enttarnen. Besonders Schwebefliegen (Syrphidae) imitieren fast die gesamte Bandbreite an Hummeln, Bienen und Wespen. Man erkennt sie typischerweise am Flugbild: Sie können in der Luft "stehen" und bewegen sich ruckartig. Es sind harmlose Blütenbesucher und viele sind für den Gartenfreund sehr nützlich, da die Larven Blattläuse bekämpfen. Es gibt aber auch Wespen, die nicht stechen können und deren Größe und Färbung mehr Gefährlichkeit vortäuscht als tatsächlich da ist - viele Holz- und Pflanzenwespen gehören dazu.
Auch bei den Schmetterlingen gibt es Mimikry - aus der Gruppe der Glasflügler sind mehrere bekannt, deren Farben Wehrhaftigkeit vortäuschen sollen. Auch wenn Sie diese Arten nicht gleich als geschickte Imitatoren erkennen - meist sind sie eh nur flüchtige Gartenbesucher, die selten Veranlassung für eine genaue Artbestimmung geben. Da sie auch insgesamt sehr scheu sind, sich allenfalls im Garten und selten am oder im Haus aufhalten und selten in solchen Massen auftreten, daß man sie als Gefahr oder gar "Schwarm" interpretieren könnte, sind sie kein Problem.
Einige Beispiele dafür: Galerie: Mimikry bei Insekten.